Vom Besuch einer alten Dame namens REWE

Eigentlich wollte ich ja bis zur Wahl nichts mehr schreiben, aber zwei Dinge sind heute neu:

  • Die „Rheinpfalz“ beendet ihre journalistische Tätigkeit und beschränkt sich aufs Nacherzählen und
  • REWE will ein Kommunalwahlergebnis kaufen

Achja: und es erinnert mich mittlerweile stark an Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“.

Nun, das „Rheinpfalz“-Thema möchte ich nur kurz beleuchten. Ich finde es hmmm interessant, wenn das Hinterfragen und das Darstellen anderer Sichtweisen unterbleibt. Der „redaktionelle“ Artikel erzählt lediglich das Inserat, das drei Seiten später abgedruckt ist, nach – da hätte man sich den Artikel gleich ganz sparen können.

Bei REWE ist es einfach so, dass das Wirtschaftsunternehmen wirtschaftliche Ziele verfolgt. Das ist nicht verwerflich – im Gegenteil, das erwarte ich von einem Wirtschaftsunternehmen.

REWE als Bauherr setzt sich für seine Vorstellungen ein, nämlich einen neuen großen Markt am Bischofsgarten zu verwirklichen. Das ist nicht verwerflich – im Gegenteil, das erwarte ich von einem Bauherren.

Was aber nicht in Ordnung ist, ist so zu tun als ob die Aussagen, die von REWE kommen, mit den Zielen, die REWE verfolgt, nichts zu tun haben. Aber schauen wir genauer hin:

REWE bezieht sich zunächst aufs Bürgervotum und dass hier der Bischofsgarten favorisiert wurde. Nun, im Bürgervotum wurden genau die Argumente vorenthalten oder falsch dargestellt, die ich in der Folge aufführe. Zum Thema Einwohnerbefragung habe ich auch hier schonmal was geschrieben.

REWE weiter:

Wir können den bestehenden Supermarkt in der „Weinstraße 95“, den wir bereits seit fast 30 Jahren betreiben, aufgrund der Grundstückssituation nicht zu einer modernen und zukunftsfähigen Einkaufsstätte erweitern.

Schön und was heißt das? Was genau meint REWE mit der „Grundstückssituation“. Meint REWE das eigene Grundstück, das Areal oder das Areal plus maßvolle Erweiterung nach Norden, wie z.B. Einbindung des Wirtschafsweges?

Das wird nicht klar gemacht. Ist auch kein Wunder und hier wiederhole ich mich von diesem Artikel: Wachenheims REWE hat ca 1100 qm überbaute Fläche, der in Mußbach hat ca. 1480 qm Fläche. Differenz rund 350 bis 400 qm (wobei Wachenheim teilweise ein 2. Stockwerk hat, Mußbach nicht). Das Areal ist (inklusive leerstehendem Bistro, der benachbarten Halle und eines 5m breiten Geländestreifens im Norden) rund 5000 qm groß.

REWE spricht von „erweitern“. Hat REWE mal überlegt den Markt abzureißen und neu zu errichten? Dazu steht nichts. Achso! Das soll im laufenden Betrieb nicht gehen? Stimmt, aber wie es mit Ausweichmöglichkeiten geht, hat DM im Bruch vorgemacht, nachdem es dort gebrannt hat. Eine Halle steht da an der Weinstraße ja noch. Der Herr Bissinger soll da doch einfach mal bei Herrn Eckl fragen – die kennen sich doch gut, der hilft bestimmt weiter.

Hat REWE eigentlich mal mit den Nachbargrundstückseigentümern gesprochen?

REWE weiter:

Vom Gutachter Piske wird die Einrichtung eines Lebensmittel-Discountmarktes empfohlen.

Ach tatsächlich? Das ist aus dem Zusammenhang gerissen und bezieht sich auf einen Weiterbetrieb, wenn sozusagen der Status Quo (Grundstück, Gebäudegröße) aufrecht erhalten bleibt und ein neuer, zweiter Markt entsteht. Es ist keine direkte Empfehlung das zu tun, sondern eine Empfehlung unter bestimmten Voraussetzungen.

REWE:

Wir wollen Ihnen mit einer neuen, modernen Einkaufsstätte die Möglichkeit geben, vor Ort alles für den täglichen Bedarf einzukaufen, damit die Kaufkraft in Wachenheim bleibt und so Ihre Stadt gestärkt wird.

Was hindert REWE mal dort anzufangen, wo REWE bereits drüber steht? Und bitteschön: REWE will mehr Umsatz in Wachenheim generieren, wie oben bereits geschrieben: Das ist in Ordnung, aber dann bitte auch so argumentieren und nicht mit der Stärkung der Stadt. Inwieweit diese gestärkt würde, ließe sich an der Gewerbesteuermehreinnahme, die bei der Stadt verbleibt, monetär ausdrücken. Inwieweit die anderen negativen Begleiterscheinungen, z.B. Stadtbild, z.B. negative Ausstrahlung auf die Realisierungschancen eines Marktes zwischen Friedelsheim und Gönnheim (schreibt übrigens Piske) das aufwiegen, bleibt auch dann fraglich.

REWE:

Wir sind enttäuscht darüber, dass in Wachenheim bewusst Wähler fehlerhaft informiert werden

Liebe Firma REWE: Dann fasst euch mal an eure eigene Nase. Fehlerhaft ist eine Information auch dann, wenn sie lückenhaft ist und die Lücken sind groß.

Oh und REWE:

Wir versichern, dass wir Sie umfänglich und ehrlich informieren werden

Und wann fangt ihr damit an?

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Über bergerandreas

aus Wachenheim, begeisterter Mountainbiker (opentrails!) und freier Demokrat
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5 Antworten zu Vom Besuch einer alten Dame namens REWE

  1. Hans Jürgen Holle schreibt:

    Zitat REWE aus besagtem Artikel:
    „Zumal sich die Grundstückspreise im Bereich von Wohnbauland bewegten.“
    Diese liegen in Wachenheim so ab 350 – 500 €ro aufwärts.

    • bergerandreas schreibt:

      Hallo Hans Jürgen.
      Ich erwähnte bereits die wirtschaftlichen Gründe. 500€ erscheint mir an der Stelle für zu hoch gegriffen.
      In Bezug auf den Wirtschaftsweg: sicherlich keine Wohnbaulandpreise, sondern das was ein Flächennutzungs- bzw. später Bebauungsplan hergibt (Gewerbe- oder Sondergebiet).
      In Bezug auf die Nachbarn: Das ist das alte Angebot- und Nachfragethema.

  2. bergerandreas schreibt:

    Hat dies auf bergerandreas rebloggt und kommentierte:

    zeitlos ….

  3. Pingback: Interessant – Wahlkampf am REWE | bergerandreas

  4. Pingback: Vom Besuch einer alten Dame namens REWE | bergerandreas

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